elisabeth masé
                        
                     
 
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200 Frauen (Please click to read more)

Interview MATRIX 4/2016 (46)

Empathie und Anarchie

Mützenfalterin (Blog)

die poesie der beschreibung

Auch die Vorschau ist Wirklichkeit

Una ragione per amare l'Amerika di Masé allo Studio Tommaseo 18.08.2017

Im Gespräch: Elke Engelhardt redet mit der Künstlerin Elisabeth Masé

Fix Poetry, 27.07.2017

Ausgestickt und ausgestellt NW 18.07.2017

Mit „Das Kleid“ schafft die Künstlerin Elisabeth Masé eine soziale Skulptur

Körperkleider zwischen Kunst und Mode

Geschichte aus zinnoberrotem Faden

Erzählstoff

Knoten, Verflechtungen und Anfänge

Gratwanderung inmitten des Grauens

Unterwegs im Albtraumhaften

Die Löwin und die Eselin

Das Bild als Raum

Elisabeth Masé - Faszinierend, irritierend. Künstler-Lexikon widmet Malerin ein Heft

Studiengalerie neu ausgebaut

Träume von Menschen

Die Musen der Malerin Elisabeth Masé

kunst:stück

  Unterwegs im Albtraumhaften
Stefan Brams, Neue Westfälische

Neue Westfälische/Kultur/ 31.10.2013

VON STEFAN BRAMS
Bielefeld. Die USA machen es ihren Freunden nicht leicht, das Land noch
zu lieben. Und das nicht erst, seitdem in diesem Sommer bekannt wurde,
dass der US-Geheimdienst NSA Menschen weltweit unter Generalverdacht
stellt und massenhaft ausspäht. Auch die Bielefelder Künstlerin Elisabeth Masé,
die seit einiger Zeit in Berlin lebt und arbeitet, hadert mit dem Land der angeblich
unbegrenzten Möglichkeiten.
Und so hat sie ihrem neuen Künstlerbuch den Titel „Amerika-Give me a reason
to love you“ gegeben. Erschienen ist das 124 Seiten umfassende Werk –wie
schon dessen Vorläufer „Der Hibiskus blutet“ aus dem Jahr 2011 – im
Kleinheinrich Verlag in Münster.
Der Verleger Josef Kleinheinrich hat auch Masés neues Buch in einen
Traum von einem Buch verwandelt. Die Seiten sind von Hand zu einem
Buch gebunden worden, das Papier ist hochwertig. Ein leuchtend roter Faden
hält das Werk zusammen. Ein Umschlag aus Pergament schützt das Objekt,
verdeckt es und lässt doch bereits erahnen, dass sich hinter der Fassade
des so Schönen ein ganz anderer Stoff verbergen könnte. Denn Masé ist sich
als Künstlerin treu geblieben. Ihre Aquarelle sind Bilder des Grauens, die bis an
die Grenze des Erträglichen gehen. Dabei wirken die Arbeiten, die sich rund
um ihr Gedicht „Amerika“ gruppieren, noch eher verhalten. Masé spielt
mit Motiven des Revolver zückenden Cowboys, des kleinen Jungen,
der noch ein Krieger werden will, ebenso wie mit vor Waffen starrenden
Soldaten, die mit ihren Munitionsgurten Selbstmordattentätern erstaunlich
ähnlich sehen. Das männliche Glied wird einem Soldaten zur verlängerten
Kanone. Ein Texaner scheint gleich nur noch aus dem männlichen
Geschlechtsteil an sich zu bestehen. Doch all diese männlichen Krieger sind
keine Helden, sind Verwundete, Verstümmelte, Blutende, deformierte Gestalten
teils ohne Augen oder gar ganz ohne Gesicht. Dünne rote Fäden hat Masé auch
dieses Mal wieder in ihre Bilder hineingestickt. Sie lassen die männlichen Krieger
noch verwundeter, entstellter, ja absurder, surrealer erscheinen. „denn fremd
vor Ort / bleibt jedes Wort / im Maulkorb stecken,/ zerfetzt, verprellt, / was
doch nicht reimt / und weint und weint“, dichtet Masé in ihrem Gedicht
„Amerika“, das inmitten all dieser schrecklichschönen Bildkommentare
zu Krieg und Gewalt steht, während auf der Seite gegenüber Blut aus
demRevolver eines weiteren Cowboys fließt. Eingenäht in das Bild findet
sich Masés Aufforderung an uns Leser „Auslachen“. Starke Werke. Harte
Werke. Doch es geht noch härter. Denn auch in ihrem neuen Band zeigt
die Künstlerin erneut vor allem Frauen als Opfer. Frauen, die schon als
Babys, Kleinkinder, Jugendliche und später als Erwachsene aus zahlreichen
Körperöffnungen bluten, weil sie offenbar verstümmelt, verwundet,
vergewaltigt wurden. Auch durch sie ziehen sich oftmals Masés berühmte
rote Fäden. Zerstörte Wesen sind sie allesamt, selbst wenn sie von
einem Partner umschlungen werden, hat das etwas Gewalttätiges.
Licht, Helligkeit, Schönheit, Intaktheit des Körpers gibt es hier
nicht. Und auch dort, wo die Künstlerin junge Mädchen in fröhlichen Kleidern
malt, bricht sofort der Schrecken in die nur scheinbar fröhliche Welt hinein.
Das Wort „Mama“ und „Me“hat Masé hier und dort in ihre Bilder
hinein gewoben – wiederum mittels eines roten Fadens. Nah rückt sie so
erneut das Thema Gewalt gegen Frauen auch an sich selbst und die
Müttergeneration heran.
Ein packendes Unterfangen. In die unglaublich eindringlichen Werke aus
einer albtraumhaft-grausamen Welt fügt sich Elisabeth Masés rätselhafte
Erzählung „Nur irgendwo“ nahtlos ein. „Ich bin Angst“, heißt es an einer
Stelle dieses flirrenden, assoziationsreichen Textes. Ein trefflicher Kommentar
zu diesem wunderbar- schönen Künstlerinnenbuch, das im Schmerz zu
versinken scheint.

AMERIKA/GIVE ME A REASON TO LOVE YOU