elisabeth masé
                        
                     
 
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Mit „Das Kleid“ schafft die Künstlerin Elisabeth Masé eine soziale Skulptur

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Geschichte aus zinnoberrotem Faden

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kunst:stück

  Geschichte aus zinnoberrotem Faden
Charlene Rautenberg, Berliner Morgenpost

Es ist fast immer dieselbe Handbewegung, sie fährt gleichmäßig über den Leinenstoff. So monoton wie die Wellen des Meeres. Die Sticknadel wie ein Boot, das im Wind schwankt. Immer wieder bewegt sie sich durch den Stoff, der manchmal hohe Falten schlägt. Wenn man sich den rot gekleideten Frauen rund um den langen Arbeitstisch in der Galerie Katharina Maria Raab an der Keithstraße nähert und genau hinsieht, dann erkennt man, dass unter ihren Händen Geschichten entstehen. Geschichten aus zinnoberrotem Faden. Blumenranken übersäen das Oberteil, der Faltenrock ist bestickt mit dem Begriff "Weltfrieden". Er ist noch nicht ganz fertig.


Auch Wünsche finden ihren Platz Foto: Charlene Rautenberg


Handarbeit als Kommunikationsmittel
Wie der Titel der neuen Ausstellung von Elisabeth Masé verrät, dreht sich alles um „Das Kleid.“ Die Schweizer Künstlerin spielt mit der Rolle, die Kleidung in unserer Gesellschaft hat. Sie zeigt, dass diese nicht nur uns definiert, sondern auch andersherum Raum für eigene Ideen bietet. Deshalb steht im Mittelpunkt des Kunstprojektes eine Werkstatt, die jeden Sonntagnachmittag während der Öffnungszeiten in der Galerie stattfindet. Dort bestickt eine Gruppe von etwa 15 Frauen ein von der Künstlerin entworfenes, schlichtes Leinenkleid. Es sind Frauen unterschiedlicher kultureller Herkunft und unterschiedlichen Alters, Hausfrauen, Akademikerinnen, Berlinerinnen und Frauen, die aus ihrer Heimat fliehen mussten. Solche, die kaum Erfahrung mit Handarbeit haben, können sich die notwendigen Kniffe von Frauen mit kunsthandwerklicher Ausbildung abschauen.


Die Künstlerin Elisabeth Masé (3.v.r.) mit den Werkstatt-Teilnehmerinnen Foto: Charlene Rautenberg


Sie alle arbeiten gemeinsam ohne Vorgaben mit dem gleichen roten Faden. Jede stickt auf ihre Weise, manchmal sprechend, manchmal schweigend. Beim Sticken können die Frauen aufeinander reagieren, Muster übernehmen, ergänzen oder mit anderen Gestaltungsformen beantworten. Dabei entstehen traditionelle Muster, aber auch neue, abstrakte Formen. Die Handarbeit wird zu einem Kommunikationsmittel – insbesondere dann, wenn die Muttersprache eine unterschiedliche ist. Zwar tragen sie alle das gleiche rote Kleid mit einem schwarzen Pullover darunter, das Herkunft und Status verbirgt. Doch bringen sie alle ihre eigenen Geschichten und Wünsche in die Galerieräume.


Durch die einheitlichen Kleider sollen Herkunft und Status zweitrangig werden Foto: Charlene Rautenberg


Skizzen, Entwürfe und Zukunftswünsche
Suzan und Farzana wohnen in dem ehemaligen Rathaus Wilmersdorf. Dort haben sie Elisabeth Masé das erste Mal getroffen. Die Künstlerin lud sie zusammen mit den anderen Frauen zu Beginn des Projektes in ihre Wohnung ein. Sie erzählte ihnen von ihrem Vorhaben, und gemeinsam überlegten sie, wie man die Ideen umsetzen kann. Danach trafen sie sich viermal in der Domgemeinde St. Hedwig in Berlin-Mitte. Es entstanden Skizzen, Entwürfe und auf Papier ausformulierte Wünsche für die Zukunft. „Ich wünsche mir eine Ausbildung zur Krankenschwester“, oder „Ich wünsche mir, dass ich hierbleiben und meine Familie besuchen kann“, liest man auf einem weißen Blatt, das auf einem Holztisch im hinteren Teil der Galerie liegt.

Ein Stück gemeinsamer Geschichte
In dem Projekt treffen nicht nur Kulturen, sondern Kunstgattungen aufeinander. Während der ersten Treffen entstand ein Film, der die Anfänge des Projektes dokumentiert. An den dunkel tapezierten Wänden findet man ausgewählte Werke der Gemäldeserie „Die Quelle“, die Ausgangspunkt für das Projekt war. Mal fröhlich, mal kindlich oder auch geheimnisvoll: Das Kleid steht im Mittelpunkt, während seine gesichtslose Trägerin durch die immer wiederkehrende Dreiviertelansicht und die verschränkten Hände eher schwer zu greifen ist.


In der Gemäldeserie „Die Quelle“ interpretiert Elisabeth Masé dasselbe Kleid immer wieder anders Foto: Charlene Rautenberg
Valentin Masé, den Sohn der Künstlerin, kann man am 26. Mai bei einem Konzert erleben. Zusammen mit einem Cellisten wird der Elektro-Musiker die Arbeit der stickenden Frauen musikalisch untermalen. Bei dem letzten Werkstatt-Termin wird in der Galerie ein Fotostudio aufgebaut, in dem jede der Teilnehmerinnen in dem fertigen Kleid fotografiert wird. Als Stück gemeinsamer Geschichte.

Informationen:

Ausstellung von Elisabeth Masé „Das Kleid“
Laufzeit: 15. Mai bis 19. Juni 2016
Ort: Galerie Katharina Maria Raab
Keithstraße 5, 10787 Berlin
Telefon: 030/21913371
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Samstag, 13-18 Uhr; Sonntag 15-19 Uhr
Termine Projektwerkstatt: 22.05., 29.05., 5.6., 12.6.; jeweils von 15-19 Uhr
Konzert: Willem Schulz und Valentin Masé: 26.05. um 20 Uhr.

Berliner Morgenpost