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  Körperkleider zwischen Kunst und Mode
Hans-Joachim Müller, WELT am SONNTAG

WELT am SONNTAG, 7.07.2016 / Ausgabe 29 / Seite 26

Vielleicht ist es ja wirklich so, dass Kunst nur wird, wenn man sie eine Zeit lang geschehen lässt, ihr zusieht und dann die Regie übernimmt. Überblickt man das Werk der in Berlin lebenden Schweizerin Elisabeth Masé, fühlt man sich wie im Archiv der Möglichkeiten. Alles hat dort nebeneinander Bestand, das streng Geometrische und das erzählerisch Figürliche, das große installative Layout und die kleine Zeichnung, die mit verstörender Intensität einer unaufschließbaren Obsession nachspürt. Und nichts, was wirklich vergangen, abgetan wäre, was sich nicht wieder beleben könnte. Als liege alles Geheimnis nur darin, die Überraschung auszuhalten und dann einzugreifen, wenn die Dinge ihre Überraschung verlieren.

Zuletzt waren es bizarre Figuren, die Masé auf den Catwalk schickte. Grimassierend, hohläugig, skelettös, auf seltsame Weise mit den Verfallserscheinungen des Lebens spielend. Man hat ihnen nicht angesehen, was ihre Drift zum Verschwinden ausgemacht hat. Aber eines Tages waren sie tatsächlich nicht mehr da. Die Köpfe zu Kapuzen geworden, die Gesichter zu leeren Ovalen, die Körper zu verborgenen Gestellen, um die sich steife Kleider bauschen. Kostbare Stoffe, Fantasiemuster, immer neue Anlässe für delikate Malerei.

Eine ganze Anzahl dieser Körperkleiderbilder hängt in der jungen Berliner Galerie Katharina Maria Raab, und wenn es nur um sie ginge, wäre der Eindruck stark, und es wäre wie ein neuer Raum im Archiv der Möglichkeiten. Aber wieder einmal hat die Regisseurin eingegriffen und die leblos gewordenen Figurenhüllen mit Leben gefüllt. Von einer Designerin hat sie sich ein schmuckloses Musterkleid in drei, vier Körpergrößen entwerfen lassen, hat den vorderen Galerieraum zur Nähstube möbliert, wo um einen langen Tisch Frauen aus Syrien, Afghanistan, dem Irak und aus Berlin die leinenen Kleider mit roter Wolle besticken. Es gab stillere und öffentlichere Sessions, es gibt bei der noch andauernden Handarbeit keine Vorgaben – bis auf das ganz selbstverständlich akzeptierte Verbot, keine entstehende Form zu zerstören.

Wenn man das so erzählt, hört es sich ein bisschen wie kunstgewerblicher Sozialkitsch an. Man muss in der Tat dort gewesen sein, die mühsamen Kommunikationsversuche beim Sticken erlebt haben, das langsame Gewöhnen aneinander, an die ungewohnte Rolle vor Publikum, die Hilflosigkeit, mit der die eine eine wacklige Sonne näht und die andere komplizierte zopfähnliche Girlanden, die handwerkliche Schulkenntnisse verraten.

Wie das gelingen konnte, wie die Frauen noch heute kommen und die roten Uniformkleider anziehen, die im Garderobenständer für sie bereithängen, wie sie dann den roten Faden der Nachbarin aushalten, die sich am Kleid zu schaffen macht, das man gerade vor sich in Arbeit hat, wie an keiner Kleiderstelle so etwas wie Konkurrenz zu spüren ist – das alles ist ein kleines Wunder. So muten sie an wie ein Atlas der Träume, diese bestickten Kleider, die die Näherinnen mit nach Hause nehmen dürfen.

Körperkleider zwischen Kunst und Mode, WELT am SONNTAG,